Schritte – ein sentimentaler Post

Schritte – ein sentimentaler Post

Neulich gehe ich mit Max von der Schule nach hause, er erzählt mir von einer Keilerei mit seinen Freunden auf dem Schulhof. Ich höre nur mit einem Ohr zu und lasse den Blick übers Wasser schweifen (wir haben das Glück, dass unser Schulweg am Mittelmeer entlang führt). Da spüre ich auf einmal, wie sich seine Hand in meine schiebt – und mir steigen die Tränen in die Augen. Das ist schon lange nicht mehr passiert – immerhin ist Max schon zehn und normalerweise viel zu cool um mir mehr als ein kurzes Nicken zur Begrüßung oder ein „Tschüss Mama“ zum Abschied zu gönnen. Abschiedsküsse hat er schon mit drei verweigert.

Während wir die Küste entlang laufen, denke ich, dass dies wahrscheinlich ein letztes Mal ist. Das letzte Mal, dass mein Sohn meine Hand sucht. Da ist es auch schon vorbei, er lässt mich los, um ein paar Steine aufzuheben und sie nach einer Boje zu werfen. Und während ich ihm dabei zusehe, denke ich an die vielen letzten Male, die ich schon erlebt habe: das letzte Mal Stillen, das letzte Mal Rotznasen abwischen, der letzte matschige Kuss, die letzte schriftliche Liebeserklärung zum Geburtstag, das letzte Mal Monster unterm Bett vertreiben. Und bald wird Clara auch nicht mehr Keptschut sondern Ketchup sagen – ich verbessere sie nicht, weil ich dieses Keptschut so gerne höre. Noch bin ich eine Referenz für meine Kinder in Fragen des täglichen Lebens und kann ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Aber auch das wird bald vorbei sein.

Ich freue mich, dass sich meine Kinder gut entwickeln und immer selbstständiger werden. Aber manchmal kann ich nicht umhin, all diesen kleinen Momenten hinterher zu trauern, die das Leben mit kleinen Kindern so wunderbar machen. Und gleichzeitig bin ich dankbar, dass ich diese alltäglichen und trotzdem so großartigen Erfahrungen gleich mit drei Kindern machen durfte. Und die einzigartige Liebe, die man nur für seine Kinder empfindet, die wird mir bleiben, immer, da gibt es kein letztes Mal.

Und irgendwann, in ein paar Jahren, werden meine Kinder sagen „wir müssen mal wieder bei Mama anrufen!“ Dann bin ich hoffentlich mit meinem Mann auf der Panamericana unterwegs oder lerne Fotografieren in New York – schließlich beinhaltet jedes letzes Mal auch die Möglichkeit für etwas ganz Neues!

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