Töpfchentraining für Zwillinge

Töpfchentraining für Zwillinge

Mit zwei Jahren ungefähr sind die meisten Kinder soweit, dass sie die Kontrolle über ihreToepfchentraining zwillinge Schließmuskeln haben. Sehr viel früher anzufangen, hat wenig Sinn und endet meist mit Stress und Frustration – bei Eltern und Kindern.

Was ist aber, wenn ein Zwilling wesentlich schneller sauber wird als der andere? Einer befreundeten französischen Familie, die bei uns im Ort wohnt, ist genau das passiert. Sie haben ein Zwillingspärchen, das anderthalb Jahre älter ist als Max und Clara. Claudine, die Mutter, hat ihre Erfahrungen für diesen Artikel aufgeschrieben:

Während sich Marie mit zwei Jahren von einem Tag auf dem andern von den Windeln verabschiedete und weder tagsüber noch nachts einen einzigen Unfall hatte, ging es bei Yves nicht so einfach über die Bühne. Da er im Sommer tagsüber bevorzugt ohne Windel herumlief und sich direkt wenn er nach Hause kam, sofort alle Kleider und die Windel vom Leib riss, hatte er ein gutes Gefühl für seinen Körper und es gab bei ihm tagsüber kaum Probleme. Auch bevor wir mit dem Töpfchentraining anfingen, hatte er kaum Unfälle. Nachts sah das anders aus. Er schlief so fest, dass er einfach nicht merkte, wenn die Blase drückte. Wir versuchten es eine Zeit lang mit den verschiedensten Belohnungssystemen, ich kaufte eine wasserdichte Matratzenauflage, und wir schimpften natürlich nie mit ihm, wenn das Pipi wieder ins Bett gegangen war. Trotzdem war da nichts zu machen. Auch wenn die Kinderärztin heftig davon abriet, ihm wieder Windeln anzuziehen, entschlossen wir uns nach einer nach ein paar Wochen, genau dies zu tun, und dem Thema damit seine Wichtigkeit zu nehmen.

Jeden Morgen war es nur noch darum gegangen, ob das Laken trocken geblieben war (und das war in den seltensten Fällen so). Also trug Yves wieder Windeln – zwar nur nachts, er empfand es aber trotzdem als Niederlage. Ich war eine Zeit lang ziemlich unglücklich, einfach deswegen weil Yves unglücklich war. Die Kinderärztin war keine Hilfe in der Situation: Sie empfahl ein strenges Training das einen Pipi-Plan, nächtliches Aufstehen und eine Klingelhose beinhaltete. Wir versuchten das eine Zeit lang – ohne den geringsten Erfolg.

Also beschlossen wir eine andere Schiene zu fahren. Eine befreundete Kinderärztin, die ein entspannteres Verhältnis zum Thema trocken werden bei Jungen hatte, half mir weiter. Von ihr bekam ich folgende Informationen

  • jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus beim Trocken werden -bei Jungen dauert es oft etwas länger.
  • bis die Kinder acht Jahre alt werden ist es nicht bedenklich, wenn sie nachts nicht trocken sind
  • meistens wissen die Kinder selber, wenn sie soweit sind, dass sie nachts keine Windeln mehr brauchen

    Und genau so war es dann auch. Wir kauften einfach weiter Windeln für Yves, wenn seine Freunde sie in der Garage entdeckten, sagten wir, sie seien für einen kleinen Cousin, der bald zu Besuch käme. Vor seinen Freunden wollte er sich keiner Blöße geben, obwohl er nicht der einzige in seiner Kindergartengruppe war, der nachts noch Windeln brauchte. Wir versuchten, dem Thema soweit wie möglich seiner Brisanz und Wichtigkeit zu nehmen. Wir sprachen hin und wieder darüber, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat und die Dinge früher oder später lernt. Außerdem war ein ernstes Gespräch mit Yves älterer Schwester nötig, die sich hin und wieder ganz gerne über ihn lustig machte. Irgendwann hatte Yves hatte sich entspannt, und ich fühlte mich nicht mehr als schlechte Mutter. Und eines Tages beschloss er, nachts die Windeln wegzulassen: er hatte noch zwei oder drei Unfälle und dann konnten wir das Thema zu den Akten legen.”

Hier noch ein paar praktische Tipps für das Töpfchentraining:

  • sauber werden ist im Sommer viel einfacher als im Winter – für Sie und das Kind. Das Kind muss sich weniger Klamotten ausziehen, um sich aufs Töpfchen zu setzen, und Sie müssen weniger Klamotten waschen, wenn doch einmal was schief gelaufen ist
  • kaufen Sie den Zwillingen jeden jedem sein eigenes Töpfchen. Wir hatten keine besonders ausgefallenen Modelle, obwohl es heute richtig niedliche Töpfchen oder Mini-Toilettenimationen gibt – für den Erfolg des Töpfchentrainings ist das alles nicht wichtig. Wir hatten einfache Plastikmodelle in verschiedenen Farben, die pro Stück ungefähr drei Euro gekostet haben
  • Stellen Sie die Töpfchen an einem für die Kinder leicht zu erreichenden Ort auf. Das muss nicht unbedingt das Badezimmer sein – gerade mit Zwillingen wird es da schnell eng
  • Lassen Sie den Kindern Zeit, sich mit dem Töpfchen vertraut zu machen. Zunächst einmal können sie sich angezogen auf die Töpfchen setzen, um sich mit dem Konzept vertraut zu machen – der zweite Schritt besteht darin, die Höschen auszuziehen
  • Achten Sie darauf, wann die Kinder ihr Geschäft verrichten. Auch wenn sie Windeln tragen, kann man das oft daran merken, dass sie sich zum Beispiel in die Sofaecke zurück ziehen, oder für einen Moment ganz still werden. Dies sind Anzeichen dafür, dass sie sich des Ausscheidungsprozesses bewusst werden, die erste Voraussetzung dafür, dass das Töpfchentraining mit Erfolg gekrönt wird
  • Fragen Sie Ihr Kind ihr ihre Kinder immer mal wieder, ob sie aufs Töpfchen müssen. Wenn es nein sagt, aber trotzdem mit dem Po hin und her wackelt, setzten Sie es auf den Topf. Kinder haben oft keine Lust, auf den Topf oder die Toilette zu gehen, weil sie ihr Spiel nicht unterbrechen wollen, obwohl sie dringend auf die Toilette müssen 🙂
  • Loben Sie die Kinder -auch für Teilerfolge. Es muss nicht unbedingt etwas im Töpfchen landen, um den Kindern ein positives Feedback zu geben. Zu Anfang kann es schon genug sein, dass sich die Kinder aufs Töpfchen setzen. Sie brauchen nicht jedes Mal in eine Lobeshymne auszubrechen, ein kurzes “Prima, dass hast du gut gemacht” reicht!
  • Kaufen Sie den Kindern Unterwäsche für “große Kinder”. Für viele Kinder ist das ein Anreiz zum Sauber werden.
  • Einige einige Kinder haben Angst vor der Toilette: zu groß zu laut, oft ist das Sauber werden mit einem Töpfchen einfacher. Einige Kinder wollen aber lieber auf die Toilette gehen wie Mama und Papa – Sie kennen Ihre Kinder am besten und werden wissen, ob es sinnvoller ist, Töpfchen oder Toilettensitz anzuschaffen
  • Schimpfen Sie nicht, wenn etwas schief läuft. Das gehört dazu – sauber werden ist ein Lernprozess, bei dem es auch Rückschläge geben kann.

Alle (gesunden) Kinder werden früher oder später sauber. Auch wenn Sie es (gerade bei Zwillingen) gar nicht abwarten können, bis es endlich soweit ist und am liebsten so früh wie möglich mit dem Töpfchentraining beginnen möchten: jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus – das gilt auch fürs sauber werden!

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