Meine Zwillinge streiten – was kann ich tun, um nicht den Verstand zu verlieren?

Meine Zwillinge streiten – was kann ich tun, um nicht den Verstand zu verlieren?

Zwillinge zu haben ist eine tolle Sache: da gibt es gar keine Zweifel! Und es hat viele zwillinge streitVorteile, einer davon ist, dass Zwillinge immer einen Spielkameraden bei der Hand haben. Aber das ist gleichzeitig auch einer der größten Nachteile! Es bedeutet nämlich auch, dass immer jemand da ist, mit dem man sich streiten kann!

Alle Zwillinge streiten – mehr oder weniger. Das fängt ungefähr mit sechs Monaten an, wenn sie groß genug sind, sich den Schnuller gegenseitig wegzunehmen. Und hört nicht auf, bis sie aus dem Haus sind, und ihre eigenen Wege gehen. Warum streiten sich Zwillinge? Und was kann man tun, um die Streitereien auf einem erträglichen Niveau zu halten?

Streit zwischen Geschwistern ist generell ein Mittel, um eine eigene Persönlichkeit auszubilden, erklärt Doktor Barbara Klein, Kinderärztin und Coach aus Santa Barbara, Kalifornien. Zwillinge haben naturgemäß noch einmal mehr die Notwendigkeit, sich von ihrem Bruder oder ihrer Schwester abzugrenzen, und ihren eigenen Weg zu finden. Das geht nicht immer ohne Kampf ab. Es ist wichtig, Kindern diese Möglichkeit zuzugestehen, auch wenn der ewige Streit an den ohnehin schon strapazierten Nerven der Zwillingseltern zerrt. Auf der anderen Seite muss man den Kindern Hilfestellungen geben, damit sie sich durch diese kleinen täglichen Streitereien emotional nicht zuweit von ihrem Zwilling entfernen und anfangen, ihn negativ wahrzunehmen.

Generell lassen sich Streitereien in zwei Gruppen einordnen. Entweder es geht darum dass beide Zwillinge dasselbe zur gleichen Zeit wollen: es findet ein kleiner oder größerer Machtkampf statt. Oder beide Zwillinge wollen etwas Unterschiedliches, und streiten sich darum welche Lösung die richtige ist.

Das tieferliegende Motiv ist in beiden Fällen, die eigene Persönlichkeit und die eigenen Vorlieben, das eigene Ego zu betonen und in dem Selbstfindungsprozess, den Zwillinge gezwungenermaßen stärker durchlaufen als Einlinge, einen Schritt weiter zu kommen.

Soweit zur Theorie. Was kann man als Zwillings-Vater oder Zwillings.Mutter aber tun, wenn die lieben Kleinen schon wieder dabei sind sich wegen einer Sandschaufel kennst die Köpfe einzuschlagen? Oder wenn es bei größeren Zwillingen um die weltbewegende Frage geht , welches T-Shirt das schönere ist?

Da hilft ist oft wenig, zu wissen, dass Streit für die Entwicklung der lieben Kleinen wichtig ist. Manchmal möchte man sie am liebsten in den Keller sperren, um das ewige Geschrei nicht mehr hören zu müssen-ich weiß wovon ich spreche!

Was kann ich als Vater oder Mutter tun, um Streitereien zu vermeiden oder zu entschärfen?

Bei kleineren Kindern hilft reden wenig. Gerade wenn sie streiten, sind Kleinkinder Argumenten nicht zugänglich!

Legen Sie von vornherein Regeln fest. Falls Kleinkinder sich immer wieder um Spielzeug streiten, hilft es, wenigstens für eine Zeit lang tatsächlich immer zwei gleiche (und ich meine genau identische) Autos, Puppen, Bällezu kaufen. Dann kann man jedem Zwilling eine Farbe zuordnen, und Spielzeug zum Beispiel mit farbigen Stickern kennzeichnen, also das klar ist welches Spielzeug welchem Zwilling gehört.

Oft entfacht sich der Streit bei kleineren Zwillingen um Fragen wie: wer darf den Knopf im Fahrstuhl drücken? Wer darf beim Vorlesen auf Mamas Schoß sitzen? Wer muss beim Baden als erster aus der Wanne?. Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Vehemenz Kleinkinder über solche weltbewegenden Fragen diskutieren und streiten können! Das mit dem Fahrstuhl ist bei uns immer noch Thema, dabei werden Max und Clara in ein paar Tagen zehn! Was hilft?

In jeder Familie gibt es diese ganz individuellen Knackpunkte. Legen Sie eine Tabelle an (die zum Beispiel an den Kühlschrank gehängt werden kann), in der diese Punkte aufgelistet werden, und in der mit farbigen Stickern festgehalten werden kann, wer zum letzten Mal dran war. Die Devise ist: immer abwechselnd. Gerechterweise muss gesagt werden, das ist Zwillinge in diesem Punkt schwerer haben, sie müssen viel früher lernen, zu teilen und zurück zu stecken.

Trotzdem wird es vorkommen, dass Zwillinge irgend einen Gegenstand beide für sich beanspruchen: es gibt eben immer nicht immer von allen zwei Exemplare! Da hilft es manchmal nur, das Streitobjekt aus dem Verkehr zu ziehen, und die Zwillinge für einen Moment zu trennen.

Falls die Zwillinge sich beim Streiten vergaloppieren, Kraftausdrücke benutzen oder handgreiflich werden: verurteilen Sie das Verhalten, nicht die Person. Machen Sie klar welches Verhalten in Ihrer Familie toleriert wird und welches nicht.

Was meiner Erfahrung nach eher hilft als negatives Verhalten zu sanktionieren, ist positives Verhalten zu belohnen. Die Kinder wissen direkt, dass es Ihnen gefällt, wenn sie friedlich miteinander spielen, oder ihr Spielzeug teilen. Als „Belohnung“ reicht ein beiläufiges Lob, ein Streicheln oder ein High Five!

Ältere Kinder kann man eher über das Intellekt ansprechen. Sie sind Argumenten gegenüber aufgeschlossen, weil sie sie intellektuell verstehen und nachvollziehen können. Betonen Sie immer wieder, dass jeder Zwilling als eigene Persönlichkeit wahrgenommen wird. Ermutigen Sie Ihre Zwillinge, den Zwillingsbruder oder die Zwillingsschwester als Individuum mit eigenen Vorlieben und Abneigungen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Dir gefällt das T-Shirt deines Bruders nicht? Muss es ja auch nicht, du kannst ja ein anderes anziehen.

Es kann für Zwillinge schwierig und bedrohlich sein, wenn sie sehen, dass ihr Bruder oder ihre Schwester anfangen, eigenständige Entscheidungen zu treffen, in die sie nicht einbezogen sind. Gerade Zwillinge im Teen-Alter, die anfangen, sich über ihre berufliche und persönliche Zukunft Gedanken zu machen, empfinden es manchmal als bedrohlich und unbequem, Entscheidungen treffen zu müssen, die nur noch für sie selber gelten. Das ist besonders dann so, wenn sie als Kinder eine sehr enge Beziehung zu ihrem Zwilling hatten.

Als Eltern können Sie da helfen, indem Sie diese Gefühle anerkennen und vielleicht auch verbalisieren. Oft ist es den Teenagern selber gar nicht so klar, was da mit ihnen passiert. Versichern Sie Ihnen, dass sie als Eltern immer für sie da sind, auch wenn Bruder oder Schwester anfangen, eigene Wege zu gehen. Reflektieren Sie die Situation mit Ihrem Kind, und geben Sie ihm Rückendeckung.

Sie können Ihr Kind auch dazu anregen, sich zu fragen,

  • ob ein Streit über ein T-Shirt wirklich der Mühe wert ist,

  • ob sie sich vielleicht durch Entscheidungen des Bruders oder der Schwester bedroht fühlen

  • ob sie sich vielleicht schuldig fühlen, weil sie ihrem Zwilling nicht helfen können

Fazit: Zwillinge haben nicht nur einen enigebauten Spielkameraden – sondern auch einen Streipartner! Streit ist (auch) ein Mittel, die eigene Persönlichkeit zu finden und herauszubilden – aber das heißt nicht, dass Sie tatenlos zusehen müssen, wie Ihre Zwillinge sich gegenseitig die Köpfe einschlagen und Ihrem Nervekostüm den letzten Rest geben!

Welche Strategien haben Sie, um mit den Streitereien Ihrer Zwillinge umzugehen?

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