Komplikationen Zwillingsschwangerschaft

Komplikationen Zwillingsschwangerschaft

Welche Komplikationen können während einer Zwillingsschwangerschaft auftreten?

Früher oder später wird jede werdende Zwillingsmutter den Begriff „Risikoschwangerschaft“ zu hören bekommen und sich vielleicht erst einmal erschrecken. Mir ging es zunächst so. Mit 39 Jahren eh nicht mehr die Jüngste und nun auch noch zwei auf einmal? Mein Frauenarzt gab mir fast das Gefühl, unverantwortlich zu handeln.

Ich bekam einen langen Vortrag über mögliche Komplikationen serviert. Und als ich endlich wieder auf der Straße stand, war mir zum Heulen zumute. Zum Glück reagieren nicht alle Gynäkologen auf diese pessimistische Weise, mir hat diese eher negative Einstellung sehr zu schaffen gemacht. Wenn ich noch mal in der gleichen Situation wäre, würde ich keinen Moment zögern, mir einen neuen Arzt zu suchen!

Natürlich ist es wichtig, sich umfassend zu informieren und über das richtige Verhalten während der Schwangerschaft Bescheid zu wissen. Aber verrückt machen lassen sollte man sich nicht! Auch eine Zwillingsschwangerschaft ist keine Krankheit sondern ein natürlicher Zustand.

Dennoch: der Körper einer Frau wird stärker belastet, wenn statt nur einem zwei Kinder in ihm heranwachsen. Viele der typischen Schwangerschaftsbeschwerden fallen stärker aus und beginnen auch früher während der Schwangerschaft. Es gibt auch ein paar ernste Probleme, die bei Mehrlingschwangerschaften eher auftreten, und die Mutter und Kinder in ernste Gefahr bringen können. Man sollte unbedingt auf seinen Körper hören und im Zweifel lieber einmal mehr als einmal zu wenig zum Arzt gehen!

Dieser Artikel behandelt schwerwiegende Komplikationen, falls es Ihnen um normale Schwangerschaftsbeschwerden und wie sie mit Hausmitteln behandelt werden können geht, hier entlang: Beschwerden in der Zwillingsschwangerschaft

Frühgeburt bei Zwillingen

Frühgeburt: Zwillinge haben ein deutlich erhöhtes Risiko, zu früh geboren zu werden. Dieses Risiko ist geringer bei Zwillingen, die jeweils ihre eigene Fruchthöhle und ihre eigene Plazenta haben.

Warum ist die Gefahr einer Frühgeburt bei Zwillingen größer? Zwillinge wiegen zwischen der 28. und der 30. Schwangerschaftswoche schon genau so viel, wie ein einzelnes Kind bei der Geburt (also etwa drei Kilo). Dementsprechend groß ist der Druck auf die Gebärmutter und es kann zu verfrühten Wehen kommen. Von einer Frühgeburt spricht man, wenn die die Kinder vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen – und das geschieht bei ungefähr der Hälfte aller Mehrlingsschwangerschaften.

Foto: SeppH en Pixabay

Je später die Zwillinge zur Welt kommen, desto besser natürlich. Je früher die Kinder geboren werden, desto mehr Schwierigkeiten haben sie beim Start ins Leben.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

auch Frauen, die mit nur einem Kind schwanger sind, können unter Bluthochdruck leiden, aber bei Zwillingsschwangerschaften tritt er häufiger auf. Ein zu hoher Blutdruck (sei er nun chronisch oder erst während der Schwangerschaft entstanden) kann dazu führen, dass die Plazenta nicht richtig durchblutet wird und die Kinder nicht mehr richtig ernährt werden. Außerdem kann es durch die Hypertonie zu einer Präeklampsie oder einer Eklampsie kommen.

Hypertonie: auch Frauen, die mit nur einem Kind schwanger sind, können unter Bluthochdruck leiden, aber bei Zwillingsschwangerschaften tritt er häufiger auf. Ein zu hoher Blutdruck (sei er nun chronisch oder erst während der Schwangerschaft entstanden) kann dazu führen, dass die Plazenta nicht richtig durchblutet wird und die Kinder nicht mehr richtig ernährt werden. Außerdem kann es durch die Hypertonie zu einer Präeklampsie oder einer Eklampsie kommen.

Von einem zu hohen Blutdruck spricht man, wenn der systolische Druck über 140 mmHg und der diastolische Druck über 90 mmHg liegt. Zunächst kann man beobachten, ob sich der Blutdruck durch Ruhe und Erholung wieder senken lässt. Ist das nicht der Fall, wird Ihnen der Frauenarzt ein Blutdruck-senkendes Medikament verschreiben. Ein zu hoher Blutdruck bei Schwangeren muss engmaschig beobachtet werden – zu Hause können Sie mit einem Gerät mit Oberarm-Manschette Ihren Blutdruck selber überwachen. Ihr Frauenarzt kann mittels Ultraschall feststellen, ob sich die Babys gut entwickeln.

Gestose

Gestose ist ein Überbegriff für eine Reihe von Krankheiten, die während der Schwangerschaft auftreten können und zu denen die Präeklampsie und das HELLP-Syndrom gehören, die wir im folgenden Abschnitt erklären.

Früher sprach man von einer Schwangerschaftsvergiftung, dieser Begriff beruht jedoch auf falschen Vorstellungen der Ursachen und wird eigentlich nicht mehr verwendet. Die Ursachen einer Gestose sind immer noch weitgehend unklar, es gibt aber verschiedene Risikofaktoren, die die Entwicklung einer Gestose begünstigen:

  • Nierenkrankheiten
  • Erkrankungen des Gefäßsystems
  • erbliche Vorbelastung
  • Autoimmunerkrankungen
  • Magnesiummangel
  • Erstschwangerschaft
  • Schwangerschaft bei Frauen über 35

Frauenärzte unterscheiden zwischen Frühgestose und Spätgestose. Die Frühgestose tritt im ersten Drittel der Schwangerschaft auf, die Symptome sind Übelkeit und Erbrechen. Sie klingt normalerweise mit dem zweiten Drittel der Schwangerschaft von selber wieder ab.

Die Spätgestose manifestiert sich im dritten Drittel der Schwangerschaft und ist weitaus gefährlicher. Unter den Begriff Spätgestose fallen die Präeklampsie und das HELLP-Syndrom – beide können zu lebensbedrohlichen Zuständen für Mutter und Kinder führen.

Präeklampsie

Die Präeklampsie wurde früher Schwangerschaftsvergiftung genannt, sie gehört zu den schwerwiegendsten Komplikationen der Schwangerschaft. Etwa 5 – 8 % aller Schwangeren entwickeln eine Präeklampsie.

Das Tückische ist an dieser Störung ist, dass sie oft nur unklare oder sogar gar keine Symptome hat. Der Frauenarzt fragt aber bei jedem Besuch die entsprechenden Symptome ab. Was kann auf eine Präeklampsie hinweisen?

  • Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfweh
  • Wassereinlagerungen schon während der frühen Schwangerschaft
  • Flimmern vor den Augen
  • Lichtempfindlichkeit

Diese Symptome sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen – gerade bei der Präeklampsie ist die Devise lieber ein Besuch beim Gynäkologen zu viel als einer zu wenig!

Die Arbeitsgemeinschaft für Gestose-Betroffene berät betroffene Frauen und hat viele nützliche Informationen zum Thema Präeklampsie und HELLP-Syndrom zusammen getragen.

HELLP-Syndrom

Das HELLP-Syndrom ist ebenfalls eine sehr schwerwiegende Variante der Spätgestose. Auch beim HELLP-Syndrom sind die Ursachen noch nicht abschließend erforscht. Der Name ist eine Abkürzung aus dem Englischen und beschreibt die drei wichtigsten Laborsymptome der Störung:

  • Hämolysis – Zerfall des Blutes
  • Elevated Liver Enzyms – Erhöhte Leberwerte
  • Low Platelet Count – Verminderung der Blutplättchen
HELLP Syndrom
Das HELLP-Syndrom wird über eine Blutanalyse diagnostiziert Foto: Belova59 en Pixabay

Durch die Verminderung der Blutplättchen ist die Blutgerinnung gestört, gleichzeitig haben viele Frauen Eiweiss im Urin und einen erhöhten Blutdruck. Diese Merkmale müssen aber nicht auftreten.

Symptome des HELLP-Syndroms

  • Beschwerden im rechten Oberbauch (die oft heftig innerhalb weniger Stunden auftreten
  • Plötzliche Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Wassereinlagerungen in Füßen und Gesicht
  • Gelbfärbung der Haut
  • Heftiges Jucken der Haut

Diese Symptome treten in der Regel nicht alle zusammen auf, das sog. klinische Leitsymptom sind Schmerzen im Oberbauch, die sich bis in den Rücken und in die Nierengegend hinziehen können.

Das HELLP-Syndrom tritt bei weniger als einem Prozent aller Schwangerschaften auf. Es ist jedoch ein für Mutter und Kinder lebensbedrohlicher Zustand, der sofort behandelt werden muss. Ist das HELLP-Syndrom noch nicht zu stark ausgebildet, kann es manchmal zumindest zeitweise medikamentös aufgehalten werden. In der Regel werden die Kinder jedoch per Kaiserschnitt sofort geholt und die Mutter intensiv-medizinisch behandelt.

Dieses Video von der Uni Erlangen erklärt sehr anschaulich, was eine Gestose ist

Fetofetales Transfusionssyndrom

Das fetofetale Transfusionssyndrom ist eine seltene, aber ernste Komplikation von Zwillingsschwangerschaften. Es tritt auf bei eineiigen Zwillingen, die sich eine Plazenta teilen. Über Verbindungen der Blutgefäße der beiden Kinder findet ein Austausch von Blut statt – das ist häufig und normal und wird nur dann zum Problem, wenn eines der beiden Kinder mehr Blut gibt, als es empfängt. Sowohl für den Spender als auch für den Empfänger hat dieser unausgewogene Blutaustausch schwere gesundheitliche Folgen und kann sogar zum Tod eines der Kinder führen. Während einer der beiden Zwillinge überproportional viel Blut und Nährstoffe empfängt, ist der andere Zwilling unterversorgt.

fetofetale Transfusionssyndrom: Symptome

Normalerweise macht das fetofetale Transfusionssyndrom wenig Symptome, eventuell bemerkt die Mutter, dass ihr Bauchumfang sehr schnell zunimmt. Der Frauenarzt wird im Ultraschall das verzögerte Wachstum des gebenden Zwillings feststellen.

Wenn der Verdacht auf ein fetofetales Transfusionssyndrom besteht, muss die Schwangerschaft sehr engmaschig überwacht werden, damit gegebenenfalls eine entsprechende Behandlung durchgeführt werden kann. In leichten Fällen bildet sich das fetofetale Transfusionssyndrom manchmal von selber zurück. Sonst besteht eine Behandlung darin, dass während einer Operation das verbindende Blutgefäß verschlossen wird.

Das fetofetale Transfusionssyndrom ist eine ernste Komplikation, tritt aber sehr selten auf.

Vena-Cava-Syndrom

Besonders während des letzten Schwangerschaftsdrittel hatte ich einen Riesen-Bauch und dementsprechend auch häufig mit dem Vena-Cava-Syndrom zu kämpfen. Zum ersten Mal passierte es mir zum Glück beim Arzt: ich legte mich auf die Liege – und merkte auf einmal, wie mir schwarz vor den Augen wurde.

Das Vena-Cava-Syndrom kann potentiell lebensbedrohlich sein, wenn man aber weiß, wie es zustande kommt, ist es in vielen Fällen gut zu kontrollieren. Wenn etwas (wie z.B. die wachsenden Babys) auf die untere Hohlvene, die Vena Cava drückt, kann nicht mehr genug Blut zum Herzen zurück in die obere Körperhälfte gepumpt wird.

Symptome des Vena-Cava-Syndroms

Symptome können sein:

  • Abfall des Blutdrucks
  • Schwitzen und kaltschweissige Haut
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Blässe
  • Ohnmacht
  • Herzrasen – und später verlangsamter Herzschlag

Im Extremfall kann es dazu kommen, dass die Mutter in einen Schockzustand verfällt und die ungeborenen Kinder im Bauch sterben. Der Frauenarzt kann ein Vena-Cava-Syndrom durch ein CTG (während der neben der Wehentätigkeit der Mutter auch der Herzschlag der Kinder aufgezeichnet wird) schnell diagnostizieren.

Glücklicherweise ist die Behandlung eines Vena-Cava-Syndroms, das durch eine Schwangerschaft verursacht wird, recht einfach: Meistens hilft es schon, sich aufzusetzen oder sich auf die Seite zu drehen. Ich konnte im letzten Schwangerschaftsdrittel weder auf dem Bauch (offensichtlich) noch auf dem Rücken schlafen, in Rückenlage wurde mir sofort schwarz vor Augen.

Hilft allerdings eine Umlagerung nicht gegen die Symptome, muss sofort der Notarzt gerufen werden: in diesem Fall besteht Lebensgefahr für Mutter und Kinder!

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