Kinder und Computerspiele: das ewige Dilemma

Kinder und Computerspiele: das ewige Dilemma

Diesen Post schreibe ich mit viel Wut im Bauch und aus gegebenem Anlass: bei uns in Spanien stehen die heiligen drei Könige und damit die Weihnachtsgeschenke, die es hier am 6. Januar gibt, ins Haus.

Max wünscht sich, genau wie zu seinem Geburtstag vor einem halben Jahr, eigentlich nur zwei Dinge: eine Luftpistole (wird er nicht bekommen) und das Spiel „Grand Theft Auto“ (wird er auch nicht bekommen).

Das „GTA“ nicht in Kinderhände gehört, ist für uns eigentlich klar. In dem Spiel geht es darum, in der fiktiven Stadt Liberty City möglichst erfolgreich zu sein. Am besten geht das, wenn man bei der Wahl der Mittel nicht zimperlich ist: Schutzgelderpressung, Raub oder auch der eine oder andere Mord – bei „GTA“ ist alle möglich.

Da geht es um Autos“ erklärte mir Max – ich war gerade dabei, unter Zeitdruck ein Mittagessen auf den Tisch zu bringen. Autorennen, da war nichts dagegen einzuwenden, aber als ich das Spiel dann bestellen wollte, wurde mir schnell klar, das Autorennen (unter Gangstern oder wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei) nur eine Komponente des Spiels sind. Ich fing an, ein wenig zu recherchieren: je korrupter und kaltblütiger man sich durch das Spiel bewegt, desto mehr Punkte sammelt man. Aber auch die Faszination, die das Spiel ausübt, war gut nachzuvollziehen… Ich hätte selber nichts dagegen gehabt, es mal auszuprobieren.

Eine kurze Umfrage unter den Müttern von Max` Freunden ergab, dass alle, mit einer Ausnahme das Spiel zuhause hatten und die Kinder auch damit spielen ließen. Zu Erinnerung: Max und seine Freunde sind neun Jahre alt – das Spiel wird ab 18 Jahre empfohlen.

Während Max nicht geweint hat, als er sich vor ein paar Wochen beim Fußball den Arm gebrochen hat, gibt es bei diesem Thema regelmässig Tränen. Er wünscht sich dieses Spiel glühend und ist wütend, dass er als (fast) einziger so blöde Eltern hat.

Ich weiß, das Max „GTA“ bei seinen Freunden spielt und bin nicht glücklich darüber. Aber ich will ihm auch nicht verbieten, seine Freunde zu besuchen. Das er das Spiel auch zu den heiligen drei Königen nicht bekommen wird, ist eine Kröte, die er schlucken muss. Da wird ihn auch das neue Fahrrad nur wenig trösten.

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